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Der Regenwurm als Komplize

(vom 11.11.2019)

Feldbegehung im Trinkwassereinzugsgebiet der Freisinger Stadtwerke

Wie in jedem Herbst fand letzte Woche eine Begehung von Landwirten, den Freisinger Stadtwerken und des beratenden Fachbüros auf den Feldern im Vöttinger Moos statt. Seit 25 Jahren arbeiten die Freisinger Stadtwerke und die im Trinkwassereinzugsgebiet aktiven Landwirte hier in einer freiwilligen Kooperation zusammen, um durch gezielte Maßnahmen den Nitrateintrag ins Freisinger Grundwasser zu senken.

Bei den regelmäßigen Feldbegehungen wird in Augenschein genommen, wie die Anbaumethoden gefruchtet haben, denn die Methoden werden jedes Jahr aufs Neue angepasst. Der „Trick", mit dem die Auswaschung von Stickstoff aus dem Boden ins Grundwasser verhindert werden soll, besteht in der Aussaat von sogenannten Untersaaten und Zwischenfrüchten. Durch diese bleibt der Boden weitgehend bedeckt, wodurch die Wurzeln das Nitrat im Boden halten. Das Begleitgrün kann später zur Düngung untergepflügt oder in anderen Fällen auch geerntet und genutzt werden.

Auf dem Feld von Landwirt Herbert Kindl begutachtete die Gruppe die Ergebnisse einer zeitig ausgesäten neuentwickelten Saatgutmischung, bestehend aus zehn verschiedenen Pflanzenarten, die sich in ihrer Wirkung auf Stickstoffspeicherung, Humusaufbau, Strukturverbesserung, aber auch als Insektennahrung ergänzen, wie Werner Rauhögger vom Ingenieurbüro ecozept versicherte. Von ihm erfuhren die Teilnehmer, dass der eher unscheinbare, blau blühende Öllein durch seine Korkenzieherwurzel in der Lage ist, auch verdichteten Boden zu durchdringen und damit zu verbessern.

Pflanzen wie Öllein und Rauhafer schaffen zudem im Boden ein spezielles Geflecht, die Mykorrhiza, die den Wurzeln von Weizen und Mais dabei hilft, Mineralien und Wasser aus dem Boden aufzunehmen. Dadurch verbessert sich der Ertrag und es kann gleichzeitig mineralischer Dünger eingespart werden. „Es ist sehr wichtig, dass diese natürlichen Kreisläufe wieder stärkere Beachtung finden", so Dr. Jürgen Maguhn, der Werkreferent der Freisinger Stadtwerke, der an der Feldbegehung ebenfalls teilnahm.

Durch die Zunahme von Trockenjahren wird es immer entscheidender, dass das Regenwasser vom Boden aufgenommen, gespeichert und später von den Kulturpflanzen auch in Trockenphasen über ihr Wurzelsystem genutzt werden kann. Ein gut entwickeltes Wurzelwerk der Zwischenfruchtpflanzen, die genügend Zeit zu ihrer Entwicklung hatten, gibt dem Boden die stabile, schwammartige Struktur, die er braucht, um die Feuchtigkeit der Niederschläge zu speichern. Auch Regenwürmer tragen mit ihren Gängen dazu bei, dieses Gefüge zu schaffen. Durch die abgestorbenen Blätter und Stängel der Pflanzen finden sie zudem vielfältige Nahrung, welche sie zum Humusaufbau nutzen.

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