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Blühflächen-Vergleich im Freisinger Trinkwasserschutzgebiet

(vom 11.08.2020)

Wie entwickeln sich mehrjährige Blühmischungen mit und ohne Pflegemaßnahmen?

Die Zusammenarbeit der Freisinger Stadtwerke mit den Landwirten, deren Flächen im Trinkwassereinzugsgebiet liegen, treibt immer neue Blüten, im wörtlichsten Sinn. Zwar geht es bei den landwirtschaftlichen Versuchen, die das Wasserschutzbüro Ecozept seit Jahren begleitet, vorrangig darum, den Stickstoffeintrag ins Grundwasser zu reduzieren. Doch vermehrt kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Es soll nach Möglichkeit auch die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren gefördert werden.

Mit großen Blühflächen haben die Landwirte hier in den letzten Jahren vielfältige  insektenfreundliche Lebensräume geschaffen. In diesem Jahr gehen nun manche noch einen Schritt weiter: Auf einem Flurstück von Anna Maria Rott in der Nähe von Pulling legte ihr Nachbar und Wildpflanzenvermehrer Johann Krimmer im April 2020 eine Fläche mit verschiedenen Blühmischungen an. Zur Anwendung kommen Mischungen aus fast 100 verschiedenen Pflanzenarten.

Hier wird nun für mehrere Jahre weder Düngung noch Spritzung erfolgen und ein dauerhafter Pflanzenbewuchs aufrechterhalten. Dadurch kann nahezu ausgeschlossen werden, dass der Regen Nitrat ins Grundwasser auswäscht. Gleichzeitig erfolgen allerdings auch mechanische Pflegemaßnahmen. Während diese bei staatlicher Förderung von Blühflächen untersagt sind, kann auf dieser durch die Freisinger Stadtwerke geförderten Versuchsfläche gezeigt werden, dass gezielte Maßnahmen die Pflanzen- und Blütenvielfalt zusätzlich fördern können. „Beispielsweise durch Schröpfschnitte in verschiedener Höhe kann das Überhandnehmen einzelner Arten verhindert werden“, erklärt Wasserschutzberater Philipp Maier von Ecozept. Dadurch könne die Fläche später wieder problemlos in eine normale Ackernutzung überführt werden, was auch die Akzeptanz bei den Landwirten steigere.

Bei einem gemeinsamen Termin vor Ort konnte sich Andreas Voigt, Werkleiter der Freisinger Stadtwerke, vom beeindruckenden Effekt des Schröpfschnitts überzeugen. Während die unbearbeiteten Parzellen von drei Arten dominiert werden, hat die Bearbeitung auf den anderen Flächen die Pflanzen- und Blütenvielfalt stark gefördert. „Der Versuch zeigt aus unserer Sicht, wie das Thema Wasserschutz mit dem Schutzgut Biodiversität verbunden werden kann“, betonte Voigt und bedankte sich bei den Beteiligten. „Gerade für den Bereich der Schutzzone im näheren Umgriff der Trinkwasserbrunnen könnte dies eine sinnvolle Bewirtschaftungsmethode sein.“

Es bleibt spannend, zu beobachten, wie sich die unterschiedlichen Mischungen aus fast 100 verschiedenen Pflanzenarten weiterentwickeln. Einige der mehrjährigen Arten haben womöglich noch gar nicht gekeimt und werden erst im nächsten Jahr zur Blüte kommen.

Foto, von links: Andreas Voigt, Werkleiter der Freisinger Stadtwerke, Philipp Maier (Wasserschutzberater von Ecozept), Michael Rattenberger (Saatgutvermehrungsbetrieb Johann Krimmer), Anna Maria Rott (Flächeneigentümerin)
Foto: Ecozept

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